Welchen Geländewagen in Australien kaufen?

Immer wieder kommt die gleiche Frage auf: Welchen Geländewagen soll ich nun für Australien kaufen? Auch ich stand am Beginn meiner Reise vor dem selben Problem. Wer hat hier in Deutschland schon groß Erfahrung mit Geländewagen? In den jungen Jahren ist man froh, einen fahrbaren Untersatz zu haben, der mehr als 45PS hat ;-)

Meine erste Überlegung ging – wie bei vielen anderen auch – Richtung Jeep und Landrover. Eventuell sogar mit LPG. Ist in Deutschland ja gerade “hip” und wird auch in Australien angeboten. Um die Geschichte abzukürzen: Vorsichtshalber habe ich mir in einem australischen 4WD-Forum Rat geholt. Das war die beste Entscheidung, die ich treffen konnte! Meine Wünsche/Ideen wurden über den Haufen geschmissen und HEUTE, nachdem ich selber über 30.000km durch Down Under gereist bin, kann ich mehr als glücklich darüber sein!

Aus meiner eigenen Erfahrung raus und auch aus dem, was viele andere (Australier, Deutsche,…) erlebt haben, gibt es eigentlich nur zwei reisetaugliche 4WDs für Australien: Toyota Landcruiser oder Nissan Patrol.

“Warum?” mag sich nun der ein oder andere fragen. Es gibt doch viele andere geländegängige 4WDs und tolle große Geländewagen. Warum also nur diese beiden? Die Antwort ist nicht ganz so einfach, aber ich versuche sie ausführlich zu erläutern. Die erste Frage ist doch, wofür der Wagen benötigt wird. Und schon hierbei steht bei jedem Reisenden die Fahrt durch das Outback auf der Wunschliste. Hinzu kommt (spätestens wenn man “4×4 Luft” geschnuppert hat) auch der Wunsch nach der ein oder anderen 4WD Tour. Immer wieder steht auch ein Wunsch ganz groß auf der Liste: Cape York!  Was muss der Wagen also mit sich bringen:

  • sehr groß, (evtl. drin schlafen bzw.  4 Leuten + Gepäck)
  • super zuverlässig
  • geländegängig
  • langlebig
  • günstig (Preis/Leistung, Wiederverkaufswert,…)
  • große Reichweite (=geringer Verbrauch)
  • gut zu reparieren ( Ersatzteile auch im Outback)
  • starker Motor

Wenn man nun einen Schritt weiter denkt, dann muss man diese Liste auf die vorhandenen Modelle anpassen. Was bieten gute 4x4s in Australien:

  • 6  Zylinder (stärker/langlebiger als 4 Zylinder Modelle)
  • Diesel (deutlich weitere Reichweite, günstiger im Outback)
  • zwei Starrachsen (mehr Bodenfreiheit, deutlich stabiler)

Es fallen viele Wagen schnell raus:

  • Was will ich mit einem Geländewagen, für den es keine Ersatzteile im Outback gibt? (z.B. Mitsubishi)
  • Was will ich mit einem Geländewagen, der unzuverlässig ist? (z.B. Landrover)
  • Was will ich mit einem Geländewagen, der auf der Straße top ist, aber im Gelände versagt? (z.B. BMW)
  • Was will ich mit einem Geländewagen ohne Bodenfreiheit? (z.B. 4×4 Vans)
  • etc…

Natürlich lässt sich jetzt das Für und Wider der einzelnen 4WDs gegeneinander abwägen. Jedoch wird schnell klar, dass eigentlich nur zwei Modelle übrig bleiben: Nissan Patrol und Toyota Landcruiser. Und – um das Ganze noch komplizierter zu machen – auch nicht jedes Modell von denen. Gerade die neuen Modelle sind oft “weichgespülte” Geländewagen, die auf der Straße super sind, jedoch im Gelände nichts mehr schaffen. Aber das ist nicht schlimm, denn die neueren Baujahre kosten soviel Geld, dass sie sich eh niemand kaufen würde ;-)

Welche Modelle also bleiben übrig:

  • Nissan Patrol Y60/GQ (baugleich, aber als Benziner:  Ford Maverick)
  • Toyota Landcruiser, Baureihe J6 (HJ60, HJ61 mit Turbo)
  • Toyota Landcruiser, Baureihe J7 (Bushcamper, Troopcarrier,…)
  • Toyota Landcruiser, Baureihe J8 (HJ80, HDJ80)

Ja, einige reisen auch im uralten Landcruiser J4. Das macht auch bestimmt eine Menge Spaß! Doch ohne Servolenkung, Klimaanlage, mit schwächeren Motoren und hohen Preisen (für gute Modelle), halte ich den Wagen für nur bedingt geeignet. Ab der Landcruiser J9, J10,J12,… Baureihe verfügen die 4WDs nur noch über eine Starrachse hinten und dafür über Einzelradaufhängung vorne. Für die Straße top, für das Gelände flop! Aus diesem Grund meiner Meinung nach nicht für eine lange Reise durch Australien geeignet!

Was also spricht noch für Landcruiser und Patrol? Auf meiner Reise bin ich im Outback nur folgenden Wagen begegnet:

  • 50% Landcruiser
  • 35% Nissan Patrol
  • 10% weiteren Toyotas/Nissans
  • 5% irgendein “Müll”

Jeder darf sich die folgenden Fragen selber beantworten: Für welche Geländewagen halten Mechaniker im Outback Ersatzteile bereit? Mit welchen 4WDs kennen sich Mechaniker im Outback aus? Doch oft schafft man es nicht mal bis zu einer Werkstatt und es kommen andere Reisende vorbei. Auch hier gelten die gleichen Fragen! Welche Teile haben sie dabei und womit kennen sie sich aus?

Ein toller Wagen ist ohne Zweifel auch der Landrover Defender (alle anderen Landrover sind auch nur “weichgespülte” 4x4s). Warum also nicht den nehmen? Nun, Landrover kommt aus England. Und Engländer bauen keine zuverlässigen Autos ;-) Außerdem kommen die oben gestellten Fragen hinzu und da fällt der Defender schnell raus. Des Weiteren verfügt er bei weitem nicht über so einen tollen/starken Motor wie die Toyotas! Denn wer einmal einen 4.0 oder 4.5 Liter Diesel gefahren ist (womöglich noch mit Turboaufladung), der will nur ungern auf einen 2.5 oder 2.7tdi zurückgreifen ;-) Wie gesagt: Unzuverlässigkeit und mangelnde Ersatzteilversorgung reichen als KO-Kriterium eigentlich schon aus.

Auch Mitsubishi  Mitsubishi Pajero, Holden (Opel) Jackaroo, Grand Cherokee, etc. fallen alle aus dem Raster raus. Sie sind toll zum angeben in der City und auch bestimmt nicht die schlechtesten im Gelände. Aber halt für das Wochenende, wenn die Werkstatt und der Wohnort in Reichweite ist! Nicht für lange Touren abseits von der Zivilisation!

Reicht es nun einfach einen Toyota Landcruiser oder Nissan Patrol zu kaufen? Und schon kann die Reise los gehen? NEIN! Wäre das nicht auch zu leicht? Denn auch hier muss genau geschaut werden, dass der Wagen Offroad und Outback tauglich ist. Entweder also gleich “fertig” kaufen oder selber ausrüsten. Was genau der Geländewagen für Australien alles haben muss, dazu berichte ich bald mehr.

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