Vom Klimawandel betroffen sind vor allem die Regionen der Welt, deren Klima schon immer durch Hitze und wenig Regen geprägt war. Wahrscheinlich denken Sie dabei zuerst an Entwicklungsländer. Tendenziell ist das schon richtig, aber von der Öffentlichkeit wenig wahrgenommen sind die dramatischen Folgen des Klimawandels in einer hoch entwickelten Industrienation: Der Süden des australischen Kontinents droht buchstäblich zu vertrocknen.
Die Erwärmung des Weltklimas wirkt sich schon lange auf die Alltagsroutine der Süd-Australier aus. Besonders die Menschen im Süd-Osten des Kontinents kontrollieren täglich den Stand ihres Wasserzählers. Ureinwohner, die einst das Wasser direkt aus den Flüssen schöpften, sind auf externe Versorgung angewiesen. Viele Flüsse sind ausgetrocknet oder ihr Wasser ist derart brackig, dass es ungenießbar ist.
Seit 10 Jahren verschlechtert sich die Lage immer mehr. Die Temperaturen steigen, der Grundwasserspiegel sinkt. Schon zu Tausenden mussten Farmer und Schafzüchter ihre Höfe aufgeben, die Bewässerung der Reis- und Baumwollfelder wird zum unbezahlbaren Luxus. Das Wasser muss über hunderte Kilometer heran gepumpt werden. Doch die beiden großen Flüsse Murray und Darling, die durch eine wichtige landwirtschaftliche Region Australiens fließen, führen immer weniger Wasser. Die Rolle Australiens als Exporteur von Lebensmitteln gerät in Gefahr, weil die gestiegenen Produktionskosten die Wettbewerbsfähigkeit auf dem Weltmarkt in Frage stellen. Ohnehin können sich die Australier glücklich schätzen, wenn sie nicht künftig durch Missernten gezwungen sind, im großen Stil Grundnahrungsmittel zu importieren. Und nicht nur die Landwirtschaft hängt am teuren Tropf der künstlichen Bewässerung. Die Versorgung einiger Städte mit Trinkwasser ist so schwierig geworden, dass bereits Anlagen zur Meerwasserentsalzung einen Teil des Bedarfs decken müssen.
Bei Perth arbeitet schon seit 5 Jahren ein Werk zur Süßwasserbereitung. Mit sorgenvollem Blick beobachten Industrie und Verbraucher ihre Wasserzähler, denn die Entsalzung ist aufwendig und daher teuer. Enorme Energiemengen benötigt das Verfahren der Umkehrosmose und so dreht sich ein Teufelskreis: Wenn Strom aus Kohlekraftwerken die Wasserproduktion antreibt, wird damit gleichzeitig der globalen Erwärmung Vorschub geleistet. Wenn also der Wasserzähler rast, wird gleichzeitig Treibhausgas in die Atmosphäre geblasen. Ehrgeiziges Ziel ist es daher, die Stromfresser aus regenerativen Energiequellen zu speisen. Allerdings hat Australien viel Nachholbedarf im Ausbau der Windenergie, Erdwärmenutzung und Geothermie.
Doch nicht nur der Mensch kommt durch die immer extremer werdende Dürre in Bedrängnis. Eine ganze Reihe von Tier- und Pflanzenarten sind durch die Austrocknung ihrer Lebensräume akut vom Aussterben bedroht. Seen drohen trocken zu fallen, wodurch in geochemischen Prozessen Schwefelsäure entstehen kann. Und das ist für die Umwelt so gefährlich, dass mancherorts sogar die Flutung der Seen mit Meerwasser unausweichlich scheint. Ein geradezu hilfloses Bemühen ist es dann, die Süßwasserlebewesen der Biotope in Sicherheit zu bringen.