Beim Kauf eines Autos gibt es immer wieder das gleiche Problem: Eigentlich kennt man sich nicht wirklich mit Autos auf. Soll man jetzt blind dem Verkäufer vertrauen? Lieber nicht. Der ersten Landcruiser, den ich mir in Sydney anschaute, machte einen guten Eindruck. Der Verkäufer war nett und der Wagen gefiel mir. Trotzdem wollte ich eine Werkstatt in Sydney aufsuchen, denn Vertrauen ist gut – Kontrolle ist besser! Auf der Fahrt zur Autowerkstatt merkte ich schon die schwankende Öldruckanzeige und war etwas verwundert. Der Verkäufer versicherte mir jedoch: Alles bestens. Mit einem Geländewagen sollte man sich nicht unbedingt die nächste beste Werkstatt aussuchen. Zwar sind 4WDs in Australien viel verbreiteter als in Deutschland, aber trotzdem kennt sich nicht jeder damit aus.
Aus diesem Grund habe ich mir eine Fachwerkstatt im Norden von Sydney ausgesucht:
ARB 4X4 Accessories
3 McLachlan Avenue
Artarmon
(02) 9438 4484
ARB ist einer der größten Hersteller für Geländewagenzubehör und hat demnach auch eigene Werkstätte. Besser gesagt Fachwerkstätte! Nicht billig, aber dafür saubere Arbeit. Genau aus dem Grund wollte ich dort hin. Der Check sollte $180 kosten und dauert ganze 2 Stunden! Nix Null Acht Fünfzehn. Das Protokoll ging über 6 Seiten. Dort wurden nicht nur Licht und Reifentiefe überprüft, sondern auch der Druck der einzelnen Zylinder, Aufhängungespunkte von Motor und Getriebe, Zustand der Geländetechnik,… Also einfach (fast) alles. Das Ergebnis war dann ziemlich ernüchternd. Es lag ein großes Problem mit dem Motor vor. Wahrscheinlich wäre ich nicht mal bis nach Melbourne mit der Kiste gekommen, bevor ich einen Motorschaden erlitten hätte.
Eigentlich ist ein 4.0 Liter Diesel Motor kaum zu zerstören. Aber auch er gehört gepflegt. Ölwechsel alle 5.000km , Service und Wartung aller Teile und regelmäßige Sichtkontrolle auf Verschleiß. Leider haben die Vorbesitzer (Backpacker) auf das Auto nicht sehr geachtet. Das Ergebnis war der baldige Motorschaden! Hätte ich diesen Check in der Werkstatt nicht gemacht bzw. mir eine Werkstatt in Sydney gesucht, die sich nicht mit Geländewagen auskennt, hätte ich wohl die Katze im Sack gekauft. Von daher hat sich jeder der $180 gelohnt! Die ARB Werkstatt in Sydney hat einen super Job gemacht. Die Jungs waren verdammt nett und ich habe nachher noch ein paar Mal mit ihnen telefoniert, da der Werkstattleiter mir noch ein paar Kontakte/Tipps gegeben hat.
Einen weiteren Wagen habe ich in Brisbane gefunden. Der Verkäufer hat einen Check bei einer 4WD Werkstatt gemacht und mir den Bericht per Mail geschickt. Anschließend habe ich in der Werkstatt angerufen und mir das Ergebnis bestätigen lassen. Ebenfalls war viel kaputt: Stoßdämpfer, Motoraufhängung, Achsgelenke, ect. Jedoch waren der Motor und die Karosserie super! Werkstattkosten hätten bei $3.500 gelegen. Dank diesem Wissen konnte ich mit dem Verkäufer über den Verkaufspreis diskutieren und habe den Wagen (mit sehr viel Offroad- sowie Camping-Zubehör) für $5.000 bekommen. Anschließend hat mir ein Hobbymechaniker alles für $500 (+$1.000 für die Teile) heile gemacht.
Warum habe ich den Wagen trotz Reparaturen gekauft? Ganz einfach: Es gibt keinen zwanzig Jahre alten Geländewagen mit 400.000km auf dem Markt, der in einem perfekten Zustand ist. Gibt es ihn doch, ist er einfach nicht bezahlbar! Verspricht der Verkäufer das Goldene vom Himmel, dann stimmt das höchst wahrscheinlich nicht. Irgendeine Tücke gibt es immer. Wichtig ist, dass der Motor super ist. Die Karosserie kann ruhig Beulen haben und Kratzer. Auch Rost (an unwichtigen Stellen), ist ok. Aber technisch muss er gut sein! Dafür ist ein Werkstatt Check unabdingbar. Die Teile wie Stoßdämpfer habe ich dann gerne gewechselt. Denn kaum ein gebrauchter Stoßdämpfer hätte meine Reise überlebt
Lieber zu Beginn den Wagen in einen super Zustand versetzen, als nachher im Outback liegen zu bleiben! In Sydney ist die Autowerkstatt bezahlbar, überall gibt es Ersatzteile. Aber im Outback? Lieber kein Risiko eingehen…