Ausrüstung eines Geländewagen für Australien

Nachdem die erste Frage geklärt ist: Welchen Geländewagen sollte man in Australien kaufen, kommt auch schon die zweite Frage: Was braucht ein passender Geländewagen? Kann ich einfach den erstbesten Toyota Landcruiser bzw. Nissan Patrol kaufen, der mir über den Weg läuft? Nein! Vorsicht! Die Geländewagen in einem typischen Backpacker-Budget belaufen sich auf $5.000 bis $10.000. Selten auch mal Richtung $15.000 für komplett ausgebaute Toyota Bushcamper. Der Preis sagt erstmal wenig aus. Denn kaum einer der Wagen wird weniger als 300.000km auf der Uhr haben. Evtl. schon eher nahe der 500.000km. Für einen Deutschen erstmal ein Schock! Aber keine Angst. Bei einer guten Wartung halten die Motoren ewig und es fahren Modelle mit 1.000.000km und immer noch dem ersten Motor herum. In Australien fährt man fast nur Langstrecke (mit Betonung auf lang!) und das ist für die großen Motoren kein Problem.

Gerade wenn ein 20 Jahre alter Wagen erst 200.000km gelaufen sein soll, würde ich vorsichtig schauen. Das sind nur 10.000km pro Jahr und die fährt man selbst in Deutschland, wenn man nur ab und zu zur Eisdiele gurkt. In Australien sind die Distanzen deutlich größer! Andererseits ist die Angabe des Kilometerstandes auch „egal“. Denn es macht keinen Unterschied ob der Wagen 200.000km oder 400.000km gelaufen ist. Beide Motoren können platt sein! Auch können beide Autos durchgerostet sein. Beide können große Schäden haben, die den Wagen nicht bis in die nächste Werkstatt kommen lassen… Folglich darf man sich nicht vom Alter und von den teils hohen Kilometern abschrecken lassen. Was zählt ist der Zustand von dem Wagen! Wurde er gut gewartet? Wurde regelmäßig ein Ölwechsel gemacht? Sind Stoßdämpfer, Bremsen, Motoraufhängung, Riemen und Schläuche, etc. im guten Zustand?

Gerade wenn man „ganz“ Australien sehen will, fährt man schnell über 25.000km. Sind die Stoßdämpfer schon beim Kauf kurz vor der „Verabschiedung“, dann muss so was gleich ersetzt werden! Gerade beim Offroadfahren leiden die Stoßdämpfer. Meine neu eingebauten Stoßdämpfer waren nach 30.000km (beim Verkauf) erneut kurz vor Ende! Obwohl es eine gute Qualität an Stoßdämpfern war! Auf normalen Straßen halten die auch 150.000km, im täglichen Geländeeinsatz hingegen verkürzt sich die Lebensdauer immens. Gleiches gilt auch für alle anderen Verschleißteile! Mit einem Geländewagen ins Outback aufzubrechen, der technisch nicht OK ist, kann lebensgefährlich sein!

Also: Vor dem Kauf den Wagen in einer 4WD Werkstatt checken lassen. Alle technisch relevanten Punkte reparieren und austauschen, sollten sie nicht eindeutig noch gut sein!

Doch bevor überhaupt der Wagen mit zu einem Check genommen wird, sollte er ein paar weitere Kriterien erfüllen. Die Zusatzausstattung ist besonders wichtig, wenn man sich abseits von Städten aufhalten möchte. Zwar fahren auch immer wieder Backpacker mit Straßenreifen durch das Outback, doch Reifenplatzer sind vorprogrammiert. Das kann schlimm enden, wenn das Fahrzeug dadurch ins schleudern kommt. Des Weiteren ist mit Straßenreifen spätestens Schluss, wenn es matschig wird. Sie setzen sich umgehend zu und man fährt wie mit abgefahrenen Sommerreifen auf Schnee… Der beste Geländewagen bringt nichts, wenn die falschen (Straßen-) Reifen montiert sind. Sie sind der einzige Kontakt zum Boden!

Richtige Reifen für den Geländeeinsatz sind:

AT (All Terrain) Reifen

MT (Mud Terrain) Reifen

AT Reifen bilden dabei den Kompromiss zwischen Straße und Offroad und reichen für Touren aus! Sie sind besser auf Nässe, sind leiser, halten länger und sind deutlich günstiger. MT Reifen hingegen sind extrem: laut, teuer, schlecht bei Nässe aus Asphalt, aber dafür auch extrem gut im Gelände! Wer also vor hat, den Wagen auch mal ans Maximum zu bringen, sollte über den Einsatz von MT Reifen nachdenken. Ab und zu bin ich mit AT Reifen stecken geblieben, wo mich MTs evtl. doch gerettet hätten… Trotzdem sollten ATs für den Großteil der Reisenden reichen! Egal ob AT oder MT Reifen, wie auch in Deutschland gilt: Qualität hat ihren Preis! Finger weg von billigen China Marken. Da spart man am falschen Ende. Gute Offraod-Reifen kommen von BFG, Brigestone, Mickey Thompson, Cooper, Goodyear, Maxxis… Der Rest ist meistens Schrott!

Neben den Reifen halte ich eine Bullbar für sehr wichtig! Eine Bullbar (Bullenfänger bzw. Rammschutz) schützt den Kühler/Motor bei einem Aufprall vor Schäden. In Australien laufen viele große Tiere herum (Kängurus, Kühe,…), die gerne auch über die Straße laufen. Täglich passieren schlimme Unfälle. Eine Bullbar kann dabei schützen und den Wagen weiter fahrbereit lassen. Auch ist eine Metallstoßstange sehr unempfindlich gegen Stöße, Steine, Bäume,… Wohingegen eine Plastikstoßstange schon längst kaputt wäre. Auf die Bullbar werden bestenfalls auch noch Zusatzscheinwerfer montiert. In Australien (Outback) sollte man generell nie im Dunkeln fahren. Ab und an lässt sich das nicht vermeiden. Umso weiter die Sicht ist, desto sicherer kann man voran kommen.

Ebenfalls für unerlässlich halte ich einen Schnorchel. Hiermit kann der Wagen auch durch tiefere Flüsse fahren, was in Australien ab und zu vorkommen kann. Die Luftansaugung sitzt normalerweise kurz über dem Vorderrad. Kommt Wasser in den Motor, geht diese meist kaputt! Ein Schnorchel sorgt dafür, dass die Luft auf Dachhöhe angesaugt wird. Dorthin kommt kein Wasser. Es sei denn der Fluss ist wirklich tief ;-) Auch hat er einen weiteren großen Vorteil. Australien ist sehr staubig. Die Reifen schleudern den Staub auf und trotz Luftfilter kommen kleine Staubpartikel in den Motor. Das mag der nicht! Auf Dachhöhe hingegen ist die Luft deutlich sauberer.

Letztendlich gibt es viele Dinge, die das Leben bzw. die Fahrt angenehmer und vor allem sicherer machen: Ein zweiter Ersatzreifen ist unerlässlich. Ein CB-Radio (Funk) reicht zwar nur ein paar Kilometer, kann aber evtl. Hilfe herbei rufen! Außerdem ist ein CB-Radio wichtig, wenn man mit mehreren Autos reist, um Kontakt zu halten. Alle Schläuche, Riemen, Öle,… sollten als Ersatzteile dabei sein. Selbst wenn man sie selber nicht wechseln kann, vielleicht kann es jemand, der zufällig vorbei kommt. Gutes Werkzeug ist ein Muss. Eine interessante Auflistung zeigt auch dieses Video.

Letzter Punkt ist das Bergematerial. Auch hier geht einiges aus dem Video hervor. Eine elektrische Seilwinde ist toll, aber gefährlich (bei falscher Nutzung) und teuer. Eine Hand-Winch ist eine gute Alternative. Ein Snatch Strap (Bergegurt) ist unerlässlich! Auch hier sollte nicht am falschen Ende gespart werden. Wie auch beim Werkzeug sollte auf Qualität geachtet werden. Was bringt es, wenn der Bergegurt bei der Rettung reist? Was hilft ein voller (billiger) Werkzeugkasten, wenn das Werkzeug beim Gebrauch verbiegt?

Klar kostet das alles Geld. Es kann im Fall der Fälle aber sogar lebensrettend sein. Das Outback ist groß! Je nach dem wo man ist, kommen über Tage oder gar Wochen keine Autos vorbei. Dort möchte niemand zugrunde gehen, weil für das Werkzeug $50 gespart wurden…

Meine Auflistung ist bestimmt nicht vollständig. Sie gibt einen groben ersten Eindruck. Fakt ist, man sollte nicht einfach den erstbesten Geländewagen kaufen. Der Wagen sollte über gute Reifen, Schnorchel und Bullbar verfügen. Des Weiteren muss er mechanisch und technisch TOP sein! Bei Dingen, die nicht in Ordnung sind, müssen diese repariert bzw. getauscht werden – bevor man die Tour antritt. Nur dann kann man sich sicher auf eine Reise ins Outback begeben… Viel Spaß!

You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.
Leave a Reply

XHTML: You can use these tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>